Erlebnisse einer Wolfenbüttel-Fahrenden

4. Juli 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Unsere Korrespondentin klärt uns zwischendurch auf.

Teil zwei

(Foto: Jan Peter Kasper)
In Wolfenbüttel angekommen, machte ich mich auf den Weg zu meiner Unterkunft. Wie üblich fand ich mich nicht auf Anhieb zurecht, aber irgendwann stand ich doch vor dem Gästehaus, in dem ich dieses Jahr wohnte. Ich hatte nach einer preiswerten Unterkunft gesucht, und preiswert war sie. Eigentlich bin ich auch nicht besonders anspruchsvoll, was Unterkünfte für wenige Tage angeht. Doch als ich die Tür zu meinem Zimmer zum ersten Mal öffnete, fiel mein Blick sogleich aufs Klo, das sich praktisch neben der Tür befand – die Duschkabine stand gleich dahinter. Außerdem war das Zimmer in dunklen Brauntönen beziehungsweise Klo und Fliesen in Beigetönen gehalten – ich finde Braun abscheulich. Ich überlegte, ob ich auf dem Absatz kehrtmachen sollte, aber das tat ich natürlich nicht, sondern ließ meinen Koffer dort und machte mich auf den Weg zur Eröffnungsveranstaltung in der Kommisse, von der ich dann inhaltlich leider nicht allzu viel mitbekam, weil mich die Nachmittagsmüdigkeit überkam. Aber eigentlich wurde es sowieso erst danach interessant, weil man nun nämlich noch mehr Kollegen traf, die man ewig nicht gesehen hatte.
Das Abendessen fand in einem Strandrestaurant statt – ja, so etwas gibt es auch in Wolfenbüttel. Eigentlich gar keine schlechte Idee, mal draußen zu essen, mal was anderes, hatten wir bisher noch nicht bei der Jahrestagung – wenn das Wetter nur nicht ganz so unsommerlich gewesen wäre. Ich will nicht behaupten, es wäre ein richtiges Gerangel um die Heizpilze entstanden, aber ich wachte doch mit Argusaugen darüber, dass uns keiner unsere Wärmequellen entführte.
Wie auch immer, satt wurden wir, und danach war das Lesefest angesagt. Wir freuten uns schon auf den ersten Teil der Veranstaltung, weil eine Kollegin sich hatte breitschlagen lassen, aus dem vor längerer Zeit von ihr übersetzten Kreuzritterporno zu lesen. Das versprach, sehr lustig zu werden. Wurde es auch. Lange nicht mehr so gelacht. Bewundernswert auch, dass es der Kollegin gelang, trotz allem – also vor allem auch trotz des Wieherns der Zuhörerschaft – die Passage zu Ende zu lesen, ohne selbst über dem Tisch zusammenzubrechen.
Nach dem Lesefest – richtig: Kollegen getroffen, geplaudert, das eine oder andere Glas Wein oder Wasser getrunken – an die Biertrinker hatte schändlicherweise niemand gedacht, an die Absinthtrinker aber auch nicht – und trotz bester Vorsätze viel zu spät ins Bett gekommen.

Alice Jakubeit

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