Haste Töne

6. Juli 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Ein Chorworkshop in Wolfenbüttel? Was hat denn das mit Übersetzen zu tun? Da könnt ihr ja gleich Ikebana machen. Oder Spitzenklöppeln.

Tja, VIELE VERACHTEN DIE EDELE MUSIK, und TÄGLICH ENTSTEHET DARÜBER EIN KRIEG, aber an dem Tag, einem Samstagnachmittag Mitte Juni, wollen mindestens 25 Übersetzer unbedingt singen, Sopran, Alt, Tenor, Bass, im klassischen Chor. Tage im Voraus haben sie sich bei dem Braunschweiger Landeskirchenmusikdirektor Claus-Eduard Hecker gemeldet. Alle haben ihm ihre Stimmlage offenbart und im Gegenzug mit der Bitte um eventuelle Vorbereitung Noten von ihm erhalten. Gespannte Erwartung erfüllt das Wolfenbütteler Schloßfoyer. Herr Hecker grüßt und gleich geht’s los. Ruckzuck verteilen wir uns im Raum, stellen uns KUCKUCK, sortiert nach Stimmen, im Kreis auf, loten im Einsingen, KUCKUCK aus voller Lunge, aus Bauch, Brust, Kopf schnaufend, seufzend, stöhnend, Höhe, Tiefe, Weite des Klangraums aus RUFT’S AUS DEM WALD.

Die anfängliche Aufstellung, die einmal gewählte Position zwischen den Kollegenstimmen, bleibt die nächsten Stunden über erhalten, während Herr Hecker aus dem Repertoire der Chorsätze, die er uns vorgeschlagen hat, nacheinander vier auswählt und mit uns einstudiert. Hoch konzentriert übt er mit den Einzelstimmen schwierige Passagen, Tonfolgen, Rhythmen, führt die Stimmen zusammen, arbeitet sogar an der Textverständlichkeit, filigran fast wie beim Spitzenklöppeln. Hochprofessionell leitet er die Probe, seine Analyse der Stücke und seine Klangvorstellung bilden den Rahmen, in dem sich, unterstützt durch die gute Akustik des Schlossgemäuers, in erstaunlich kurzer Zeit aus all unseren einzelnen Stimmen tatsächlich so etwas wie ein Chorklang herausbildet. JUBILATE der ganze Körper schwingt, der ganze Raum atmet JUBILATE.

Die Stimmen einzelner Kolleginnen und Kollegen, die in nächster Nähe zu mir singen, dringen, noch ehe sie im Chorklang aufgehen, auch distinkt an mein Ohr, überraschen und entzücken mich durch ihren Wohlklang, ihre Wärme, ihre Fülle, ihren Schmelz. MIT ROSEN BEDACHT Welch ein Genuss, die Kolleginnen und Kollegen einmal von ihrer stimmlichen Seite kennenzulernen MIT NÄGLEIN BESTECKT ansprechend, differenziert, floral wie beim Ikebana. Am Abend in der KuBa-Halle bekommt Karin Krieger von Ulrich Blumenbach den Hieronymusring überreicht. Der Wolfenbütteler Übersetzerchor überreicht ihr feierlich sein frisch gestecktes Blumenarrangement.

Martina Kempter

So viele Talente: Martina Kempter (Foto: Ilse Layer)

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