Treasure Island – Die Schatzinsel

15. Juli 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Eine Übersetzerin erzählt von ihrem Privatprojekt.
Das Interessante an diesem Abenteuerroman – und die Schwierigkeiten für Übersetzer – besteht in seinen vielseitigen Formen an Äußerungen:

$ Die brutale Umgangssprache der Piraten, deren Vielfalt an Kraftausdrücken in der Übersetzung allzu leicht ins Eintönige und Dümmliche abzusinken droht.

$ Der Seefahrerjargon, der in der englsichen Alltagssprache weit stärker verbreitet ist als im Deutschen.

$ Die komplexe Satzstruktur, deren Bandwurmsätze üblicherweise durch Strichpunkte voneinander getrennt sind – und beim Übersetzen die oft schwierige Entscheidung zwischen Komma und Punkt einfordert.

$ Die Sprache des Erzählers, die gerne zwischen exaktem Berichtsstil und plastischen Landschaftsschilderungen wechselt.

Hier ein Beispiel aus einer nächtlichen Wanderung, deren kontrastreiche Beschreibung lebendig wie ein Filmauszug wirkt:
.. Gradually the night fell blacker; it was all I could do to guide myself even roughly towards my destination; the double hill behind me and the Spy-glass on my right hand loomed faint and fainter; the stars were few and pale; and in the low ground where I wandered I kept tripping among bushes and rolling into sandy pits.
Suddenly a kind of brightness fell about me. I looked up; a pale glimmer of moonbeams had alighted on the summit of the Spy-glass, and soon after I saw something broad and silvery moving low down behind the trees, and knew the moon had arisen.
With this to help me, I passed rapidly over what remained to me of my journey; and, sometimes walking, sometimes running, impatiently drew near to the stockade.
Yet, as I began to thread the grove that lies before it, I was not so thoughtless but I slacked my pace and went a trifle warily. It would have been a poor end of my adventures to get shot down by my own party in mistake.
The moon was climbing higher and higher; its light began to fall here and there in masses through the more open districts of the wood; and right in front of me a glow of a different colour appeared among the trees. It was red and hot, and now and again it was a little darkened – as it were the embers of a bonfire smouldering.
For the life of me, I could not think what it might be.
At last I came right down upon the borders of the clearing. The western end was already steeped in moonshine; the rest, and the block-house itself, still lay in black shadow, chequered with long, silvery streaks of light. On the other side of the house an immense fire had burned itself into clear embers and shed a steady, red reverberation, contrasted strongly with the mellow paleness of the moon. There was not a soul stirring, nor a sound beside the noises of the breeze.    
[Charles Scribner’s Sons: „Treasure Island”, Dover Thrift Editions, New York 1993, S.117]

(Foto: DVD)

Eine provisorische Übersetzung könnte sich so lesen:
.. Allmählich wurde die Nacht schwärzer. Ich musste sehr darauf achtgeben, mir den Weg auch nur annähernd in Richtung auf mein Ziel zu bahnen. Der Doppelgipfel hinter mir und das Fernglas zu meiner Rechten ragten immer undeutlicher empor. Die wenigen Sterne am Himmel schienen sehr schwach, und in der Talsenke, die ich durchstreifte, stolperte ich ständig über Gesträuch und taumelte in Sandkuhlen.
Plötzlich fiel Helligkeit auf mich und ich blickte auf. Blasse Mondstrahlen beschienen den Gipfel des Fernglases, und bald darauf sah ich, dass sich etwas Breites, Silbernes sehr tief hinter den Bäumen bewegte, und wusste, dass der Mond aufgegangen war.
Dies machte ich mir zunutze, indem ich den Rest der Strecke schnell zurücklegte und mich ungeduldig, bisweilen gehend, bisweilen rennend, der Palisade näherte.
Doch während ich die Baumgruppe davor durchquerte, wurde ich vorsichtiger und  verlangsamte wachsam meine Schritte. Meine Abenteuer hätten ein armseliges Ende genommen, wenn ich irrtümlich von den eigenen Leuten erschossen worden wäre.
Der Mond stieg immer höher, seine Strahlen schienen stellenweise durch die lichteren Waldflächen und genau vor mir leuchtete ein andersfarbiges Licht zwischen den Bäumen. Es schwelte rot und gelegentlich war es leicht verdunkelt – die Glut eines hohen Lagerfeuers.
Beim besten Willen konnte ich mir nicht erklären, was das zu bedeuten hatte.
Endlich kam ich geradewegs an den Rand der Lichtung. Das westliche Ende war bereits in Mondschein getaucht, alles Übrige mitsamt dem Blockhaus lag noch immer in schwarzem Schatten, auf den lange silberne Lichtstreifen in einem Schachbrettmuster fielen. Auf der anderen Seite des Hauses war ein gewaltiges Feuer in helle Glut niedergebrannt und warf einen beständigen, roten Widerschein, der sich stark von der fahlen Blässe des Mondes abhob. Nicht rührte sich, kein Ton war zu vernehmen außer den Geräuschen der Brise.

Claudia Remold

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